Die FOR-DEC-Methode im Krisenmanagement

Dieses Whitepaper dient zur Unterstützung von Institutionen die sich im Aufbau und/oder der kontinuierlichen Verbesserung des Krisenmanagements befinden. Es gibt Einblicke in den Führungszyklus nach der FOR-DEC-Methode und liefert Institutionen Hinweise und Hilfestellungen für die Einführung und Nutzung der Methode im Krisenmanagement.

Vorstellung der FOR-DEC-Methode

Zur erfolgreichen Bewältigung von Notfällen und Krisen sollte eine Methode zur strukturierten Entscheidungsfindung angewendet werden. Im Themenbereich der Unternehmensführung sowie in der klassischen Führungslehre (bspw. nach FwDV 100) existieren verschiedene Arten von Führungszyklen und Führungsvorgängen die in der einschlägigen Literatur ausführlich beschrieben sind.

Dieses Whitepaper geht gezielt auf den Führungszyklus nach der FORD-DEC-Methode ein. Dieser Prozess der Entscheidungsfindung wurde ursprünglich durch die National Aeronautics and Space Administration (NASA) entwickelt. Er trägt dem hohen Stresslevel und dem enormen Zeitdruck bei Notsituationen in der Luft- und Raumfahrt Rechnung.

Im Gegensatz zum Führungszyklus nach FwDV 100 – der stark durch operative Einsatzorganisationen geprägt wurde und vorallem durch Führung- und Leitungskräfte angewendet wird – eignet sich die FOR-DEC-Methode sehr gut für einen moderierten Entscheidungsprozess im Team.

FOR-DEC Zyklus (S. Brück, 2019)

Die Methode besteht aus mehreren aufeinander folgenden Analyseschritten:

  • Facts,
  • Options,
  • Risks & Benefits,
    sowie
  • Decision,
  • Execution und
  • Check.

FOR-DEC im Krisenmanagement

Sie ist im Rahmen der Bewältigung von Notfällen und Krisen auf jeden Entscheidung anwendbar. Zudem ermöglicht die Methode eine systematische Dokumentation des Entscheidungsprozesses anhand der Analyseschritte und trägt somit erheblich zur vollständigen Nachvollziehbarkeit bei.

FOR-DEC ist dazu geeignet, unerwünschte Einflüsse auf die Entscheidungsfindung – wie Heuristiken oder kognitive Verzerrungen – deutlich zu verringern. Zudem werden im direkten Vergleich verschiedene Handlungsoptionen gegeneinandergestellt, um die optimale Möglichkeit zu identifizieren.

Wir haben den ursprünglichen FOR-DEC-Zyklus um eine Phase (siehe Abbildung) erweitert. Die Phase „Sofortmaßnahmen“ soll klären, ob Maßnahmen notwendig sind die keinen zeitlichen Aufschub dulden und sich daher der moderierten Entscheidungsfindung entziehen (z. B. Räumung eines Gefahrenbereiches, vorgeschriebene Sofortmeldung an einen Regulator, etc.).
Zudem weist der Zyklus zwischen den Analyseschritten „Risks & Benefits“ und „Decision“ eine kurze Pause („Break“) auf. Diese ist bereits durch den Bindestrich im Methodennamen („FORDEC“) angedeutet. Die Pause dient dazu, die bisher absolvierten Schritte im Zyklus kurz zu reflektieren und sich auf die Entscheidung („Decision“) vorzubereiten.

Die Analyseschritte als Fragenkatalog

Die einzelnen Analyseschritte lassen sich in folgende Frage umwandeln:

Fakten (Facts)

  • Wie stellt sich die aktuelle Situation dar?
  • Welche Probleme bestehen?

Sofortmaßnahmen

  • Welche Maßnahmen müssen umgehend eingeleitet werden?
    • Maßnahmen zum Schutz von Leib und Leben
    • Maßnahmen zur Abwehr / Vermeidung weiteren Schadens
  • Bereits eingeleitete Sofortmaßnahmen (deutlich als solche kennzeichnen)

Optionen (Options)

  • Welche Handlungsoptionen zur Problemlösung bestehen?

Risiken & Chancen (Risks & Benefits)

  • Welche Risiken bestehen bei welcher Handlungsoption?
  • Was sind die Chancen der jeweiligen Handlungsoption

Pause (Break)

  • Kurze Denkpause zur Rekapitulation und zur Vorbereitung der Entscheidung

Entscheidung (Decision)

  • Welche Handlungsoption ist die Beste?
  • Wie lautet die Entscheidung?

Ausführung (Execution)

  • Wie lauten die Einzelaufträge zur besten Handlungsoption?
  • Wer macht was bis wann?

Kontrolle (Check)

  • Führt(e) die gewählte Handlungsoption zum Ziel?

Wie auch beim Führungsvorgang nach FwDV 100 und verwandten Methoden handelt es sich bei der FORDEC-Methode ebenfalls um einen immer wiederkehrenden und in sich geschlossenen Denk- und Handlungsablauf.
Insofern beginnt der Zyklus nach der erfolgten Überprüfung erneut.

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